Was eine linke Sicht auf die Dinge von bürgerlicher Betroffenheitsrethorik unter-scheiden sollte, wäre eine deutliche Kritik an einem "Kultur-Kapitalismus", der in Duisburg einmal mehr im wahrsten Sinne des Wortes "über Leichen ging." Wasbisher in unseren Erklärungen leider nicht zum Ausdruck kommt, hat z.B. der Duis-burger Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, Wolfgang Orscheschek, so formuliert:Die Toten und Verletzten seien "Opfer materieller Interessen eines Veranstalters,der unter dem Deckmäntelchen der 'Kulturhauptstadt 2010', unter Ausnutzung planbarer Medienreaktionen" so viel Druck auf Landespolitiker ausgeübt habe,"dass sie zum Ereignis 'Loveparade', trotz eindringlicher Warnungen aus dem Sicherheitsbereich nur "ja" sagen konnten."
Die "materiellen Interessen" des Veranstalters Rainer Schaller hat die "Süddeutsche"in dem angehängten Artikel v. 26.07.2010 mit wörtlichen Zitaten näher wie folgtbeleuchtet: " Wir haben uns lange überlegt, was wir denn Verrücktes machen kön-nen, um bekannter zu werden. Wir haben uns für die Loveparade entschieden. Daswar ein Himmelfahrtskommando......Ich bin hundert Prozent risikobereit". Diese"Risikobereitschaft" mussten jetzt 20 junge Menschen mit dem Tode bezahlen.
Ob Atomkraftwerke, Co-Pipeline oder Loveparade, der gemeinsame Nenner ist inder Regel der gleiche: es geht um Kapital-Interessen und da sind menschliche Opfer als Kollateralschäden schon mal hinzunehmen, wenn wir "unseren" Standort Deutschland nicht gefährden wollen. Sauerland, Kraft, Jäger u. Co gehören zu diesen "Standortfetischisten" seit Jahren und deshalb sollten wir in ihre geheuchelte Betroffenheitsrethorik nicht ohne Not einstimmen. Wir sollten vielmehr die dahinter liegenden Interessen schonungslos anprangern (aber wir müssen es dann auch tun).